„Über uns wachsen die Probleme. Unter uns wächst die Lösung.“
Andreas Achleitner, Biohof Achleitner
Diesen Satz sagt Andreas Achleitner nicht in einem Vortragssaal, sondern mitten auf seinem Acker. Genau dort, wo bei „Farm is Table“ eine lange, direkt aus der Erde gearbeitete Tafel entsteht, Spitzenköch:innen ihre Menüs servieren und die Gäste zwischen Pflanzen und Feldern Platz nehmen. Das Bild ist spektakulär. Die eigentliche Botschaft liegt jedoch tiefer: Ein gutes Essen beginnt nicht erst in der Küche.
Es beginnt lange vor dem Teller – im Boden, in der Landwirtschaft und in den Entscheidungen darüber, wie Lebensmittel entstehen.
EIN TISCH MITTEN IN DER LANDWIRTSCHAFT
Von 11. bis 13. August brachten Gaumen Hoch und der Biohof Achleitner „Farm is Table“ erstmals nach Europa. Zwei öffentlich buchbare Dinner waren ausverkauft, dazwischen kamen bei einem Stakeholder-Abend Menschen aus Landwirtschaft, Gastronomie, Wissenschaft und Lebensmittelwirtschaft zusammen. Drei Tage, drei kulinarische Handschriften –und immer dieselbe Ausgangsfrage: Was verändert sich, wenn wir dort essen, wo unsere Lebensmittel wachsen?
Für einige Minuten bekam diese Szenerie am 12. August sogar ein besonderes Licht: Über dem Acker zog eine partielle Sonnenfinsternis vorbei. Ein außergewöhnliches Detail an einem Abend, an dem es ohnehin um Natur, Kreisläufe und die Verbindung zwischen Mensch, Boden und Lebensmittel ging.

DER ACKER BESTIMMT DAS MENÜ
Der entscheidende Unterschied lag nicht nur darin, wo gegessen wurde, sondern auch darin, wie die Menüs entstanden. Die Köch:innen orientierten sich an dem, was am Biohof und in der Region gerade verfügbar war: biologisch, saisonal und möglichst vollständig genutzt. Nach dem Prinzip „Leaf to Root“ fanden auch Blätter, Stängel und andere Pflanzenteileihren Platz in den Gerichten.
Nicht das Rezept bestimmte den Acker. Der Ackerbestimmte das Menü. Damit wurde aus Herkunft mehr als eine Angabe auf einer Speisekarte. Sie wurde zum Ausgangspunkt der Küche – sichtbar, greifbar und vor allem schmeckbar.
GENUSS STATT VERZICHT
Für Andreas Achleitner steckt darin eine zentrale Botschaft: Ökologische Verantwortung muss nicht zuerst nach Verzicht klingen. Vielfalt, lebendige biologische Landwirtschaft und guter Geschmack können zusammengehören. Ein gesunder, humusreicher Boden ist dafür die Grundlage. Er kann Wasser aufnehmen und speichern, Pflanzen versorgen und ihnen helfen, Trockenperioden besser zu überstehen.
Bei „Farm is Table“ wurde dieser Zusammenhang nicht über Schaubilder erklärt. Die Gäste saßen buchstäblich auf jener Grundlage, von der das Menü abhing. Was sonst unter unseren Füßen leicht übersehen wird, rückte für einen Abend ins Zentrum.
WENN LANDWIRTSCHAFT UND GASTRONOMIE AM SELBEN TISCH SITZEN
Zur Idee gehörte deshalb mehr als das Dinner selbst. Beim Stakeholder-Abend wurde darüber gesprochen, wie Landwirtschaft und Gastronomie enger zusammenarbeiten können. Landwirt:innen schaffen mit ihrer Arbeit die Grundlage. Köch:innen übersetzen Ernte, Saison und Vielfalt in Gerichte. Und Konsument:innen entscheiden mit ihrem Einkauf und ihrer Restaurantwahl mit, welche Form der Landwirtschaft sie unterstützen.
Genau dieser Schulterschluss macht aus einem außergewöhnlichen Event eine Zukunftsfrage. Denn Veränderung entsteht nicht nur auf dem Acker oder in der Küche, sondern dort, wo Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette miteinander arbeiten und Verantwortung teilen.

LEBENSMITTEL GESTALTEN ZUKUNFT
Im Stadtgeflüster erzählt Andreas Achleitner von der Vision „Lebensmittel gestalten Zukunft“. „Farm is Table“ machte diese Vision für drei Tage unmittelbar erlebbar. Landwirtschaft, Boden, Lebensmittel und Genuss standen nicht nebeneinander – sie wurden Teil derselben Geschichte.
Vielleicht liegt darin die stärkste Wirkung dieses Formats: Für einige Stunden musste niemand erklären, dass gutes Essen am Acker beginnt. Man konnte es sehen, spüren und schmecken. Die Lösung lag dabei nicht irgendwo in der Ferne. Sie lag direkt unter ihnen.
Farm is Table auf einen Blick
FARM IS TABLE
Termin:
11.–13. August 2026
Ort:
Biohof Achleitner, Pupping bei Eferding
Format:
Europapremiere; zwei öffentlich buchbare Dinner und ein Stakeholder-Event
Initiatoren:
Gaumen Hoch & Biohof Achleitner
KULINARISCHE HANDSCHRIFTEN
Theresia Palmetzhofer – Zur Palme
Klemens Gold – RAU nature based cuisine
Karl Wrenkh – Wrenkh Restaurant und Kochsalon
Im Mittelpunkt:
gesunde Böden, biologische Landwirtschaft, Saisonalität, Leaf to Root und der Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Gastronomie
Weiterlesen:
„Lebensmittel gestalten Zukunft“ – die Biohof-Story im Stadtgeflüster



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